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International LEIfestyle

LEI in aller Munde. Vergleicht man die GLEIF (Global Legal Entity Identifier Foundation) metaphorisch mit einer internationalen Lifestylekolumne, so ist der LEI das neue IT-Piece der Saison. Jeder reißt sich darum,  rechtzeitig einen LEI zu beantragen, um ja nicht den Einstieg in die neue Strömung am Finanzmarkt zu verpassen.

Die Einführung des 20-stelligen, alphanumerischen Codes, rollt unaufhaltsam wie eine Welle auf Europa zu. Denn ab dem 3. Januar 2018 müssen alle betroffenen Unternehmen im Besitz eines LEI sein, um unter anderem weiterhin am Derivatehandel in Europa teilnehmen zu können.

Die Europäische Union engagiert sich besonders für die Aufwendung des LEI und hat eine europäische Richtlinie verabschiedet, an die sich zahlreiche Unternehmen mit Sitz in Europa halten müssen. Doch wie sieht es mit Firmen aus, die ihren Sitz nicht in Europa haben und welchen Einfluss hat die Einführung des LEI im internationalen Kontext?

Die Verwendung von LEIs ist gesetzlich durch verschiedene Regularien vorgeschrieben. Dazu zählen der Dodd-Frank Act, der die finanzielle Stabilität in den USA fördert, die EMIR-Verordnung (European Market Infrastructure Regulations), und die in Kürze in Kraft tretende, überarbeitete EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente MiFID II, sowie die begleitende Verordnung MiFIR. Bis Ende Juni 2017 wurden rund 520.000 LEIs an Rechtsträger vergeben, wovon die meisten ihren Sitz in den USA und der Europäischen Union haben.

Werfen wir einen Blick auf einige Länder, in denen sich ein starker LEI-Trend abzeichnet.

In Canada formulierte die Investment Industry Regulatory Organization of Canada (IIROC) im Juni 2017 den Vorschlag, LEIs verpflichtend für Aufträge einzuführen sowie auch bei der Entwicklung von Back-Office-Systemen zu verwenden. Primär soll dadurch die Marktintegrität sowie der Anlegerschutz verbessert werden.

Im Traders Magazine äußerte sich Doug Clark, der Leiter für Marktstrukturforschung bei ITG Canada, über den Trend LEI. „Die IIROC konnte für den Handel am sekundären Aktienmarkt seit nahezu einem Jahrzehnt auf Daten zurückgreifen, die mit konsolidierten Prüfpfaddaten vergleichbar sind und die sie direkt von den Börsen erhalten. Diese Daten dienten der Marktüberwachung. Vor kurzem erfolgte der Vorschlag, LEIs in Aufträge zu integrieren.“

In Großbritannien müssen seit dem 01. Oktober 2017 alle Emittenten von Wertpapieren, die zu einem von der EU regulierten Markt zugelassen sind, über einen LEI verfügen.

Zum 01. Oktober 2017 treten neue Bestimmungen in Kapitel 6 der Disclosure Guidance and Transparency Rules (Vorschriften zur Offenlegung und Regelungen zur Transparenz) in Kraft. Diese besagen, dass ein Emittent zur Angabe eines LEI und zur Klassifizierung von vorgeschriebenen Informationen in zugeordnete Verordnungskategorien verpflichtet ist, wenn er im Zuge seiner gesetzlichen Meldepflichten Informationen an die FCS (Financial Conduct Authority) übermittelt.

Auch asiatische Länder sind am Zug, auf den Trend LEI reagieren.

Tausende Geschäftspartner in Asien wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt, da sie ab Januar 2018 ohne den LEI keine globalen Bank-Transaktionen mehr durchführen können. Die Richtlinie MiFID II hat direkten Einfluss auf alle Unternehmen, die innerhalb der European Economic Area (EEA) Handel treiben. Jedoch sind auch Drittstaaten-Partner von der Regelung zunehmend betroffen.

Jeder juristischen Person, die MiFID II unterworfen ist, ist es ab Januar 2018 untersagt, Handel mit Geschäftspartnern zu treiben, die keinen LEI vorweisen können. Dabei ist es irrelevant, ob das Unternehmen innerhalb oder außerhalb der EEA angesiedelt ist.

Daher schätzen die Internationalen Swaps und die Derivatives Association, dass bis zu zehntausend asiatische Organisationen einen LEI benötigen werden, wenn sie weiterhin mit europäischen Banken handeln wollen. Weniger als 5% der 530.000 LEIs die weltweit vergeben wurden, kommen aus dem asiatischen Raum.

Auch wenn MiFID II eine europäische Initiative ist, wird die Regelung Einfluss auf viele US-amerikanische Banken haben, die sich dazu entscheiden, ihre asiatischen Derivategeschäfte in London anstatt in New York zu tätigen.

Indien und Singapur sind bisher die einzigen Länder in Asien, die eine Verwendung von LEIs beim Handel von Derivategeschäften anordnen, während Hong Kong und Australien den Trend LEI ebenfalls vorantreiben.

Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass in vielen Teilen Asiens ein starkes LEI-Movement zu verzeichnen ist. So hat das KRX (Korean exchange) bereits ein Handelsregister ins Leben gerufen, mit der Absicht, LEIs in Zukunft zu integrieren.

In Indien spielt der LEI bereits eine zentrale Rolle. Die Reserve Bank of India kündigt die Einführung des LEI für OTC-Derivatemärkte an. Der Präsident der Bank, T. Rabi Sankar, gab im Juni 2017 auf der Website der Bank bekannt, dass das LEI-System „für alle Teilnehmer an OTC-Märkten (Over-the-Counter-Märkten) für auf Rupien lautende Zinsderivate, Währungsderivate und Kreditderivate stufenweise in Indien“ eingeführt wird.

Wenling Juang, die Leiterin der ‚Pricing and Reference Services‘ der Thomson Reuters in Asien, schätzt ausgehend von der Entwicklung im europäischen Markt eine ähnliche Trendentwicklung in Asien ab, je näher die Deadline für MiFID II rückt. Sie erwartet eine starke Interessenszunahme für den LEI Ende September, da die Unternehmen dann eine Entscheidung hinsichtlich MiFID II treffen müssen.

Im Zuge der rasanten Interessenszunahme sowie Verwendung von LEI in Indien, dokumentierten die LEI-Vergabestellen einen erheblichen Anstieg an LEI-Beantragungen.

Anupam Mitra, Head of derivatives within the trade repository and LOU of the Clearing Corporation of India (CCIL), kritisierte die abrupte Umsetzung von MiFID II in Europa. Eine einzige Deadline stelle ihrer Meinung nach eine Überforderung für alle LOU-Vergabestellen dar, da die meisten Unternehmen ihre LEIs erst kurz vor knapp bei den Vergabestellen beantragen. Dadurch entsteht ein enormer Aufwand in extrem kurzer Zeit, dem viele LOU Vergabestellen nicht gewachsen sind.

Durch die zu Europa abweichende Gesetzeslage will Mitra diesen Kollaps in Indien geschickt umgehen. So soll es über das Jahr verteilt mehrere Deadlines geben, die zu einer Entzerrung der Beantragungen führen sollen.
Fraglich ist jedoch, für welche Unternehmen diese Entzerrung der Deadlines Vorteile bringen wird, da die Auswirkungen von MiFID II verbindlich für alle Unternehmen ab dem 03.01.2018 gelten.

So lässt sich abschließend feststellen, dass die Trendwelle des LEI Länder und Kontinente außerhalb von Europa mit sich reißt. Die rechtlichen Konsequenzen sowie Umsetzungen innerhalb und außerhalb von Europa bleiben weiterhin spannend zu beobachten. Fest steht jedoch, dass der LEI den globalen Finanzmarkt nachhaltig verändern wird. 

Sven Schenkluhn
En tant que Directeur Général Adjoint Allemagne, Sven est responsable du département Service de Données d'EQS Group et du développement de l'EQS LEI MANAGER.
As Deputy Managing Director Germany, Sven is responsible for the business unit Data Services of the EQS Group and for the development of the EQS LEI MANAGER.
Sven è Deputy Managing Director Germany ed è responsabile della devisione Data Services dell’EQS Group e dello sviluppo dell’EQS LEI MANAGER.
Sven ist als Deputy Managing Director Germany verantwortlich für den Geschäftsbereich Datenservices der EQS Group und die Entwicklung des EQS LEI MANAGER
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